
Breakdance, heute oft auch Breaking genannt, ist weit mehr als ein spektakulärer Tanzstil mit akrobatischen Moves. Er ist Ausdruck einer ganzen Kultur, eines Lebensgefühls und einer sozialen Bewegung. Seine Wurzeln liegen in den Straßen von New York – genauer gesagt in der Bronx der 1970er-Jahre. Doch wie genau ist Breakdance entstanden, und warum wurde er zu einem weltweiten Phänomen?
Die Bronx der 1970er-Jahre – der Ursprung von Breakdance
Die Entstehungsgeschichte von Breakdance beginnt in einer Zeit großer sozialer Herausforderungen. In den 1970er-Jahren war die Bronx geprägt von Armut, Arbeitslosigkeit, Gewalt und Perspektivlosigkeit. Viele junge Menschen, vor allem aus afroamerikanischen und lateinamerikanischen Communities, suchten nach Wegen, sich auszudrücken und Konflikte ohne Gewalt auszutragen.
In diesem Umfeld entstand die Hip-Hop-Kultur, die aus vier Elementen besteht:
- DJing
- MCing (Rap)
- Graffiti
- Breaking (Breakdance)
Breakdance war dabei das tänzerische Element – roh, kreativ und direkt aus dem Alltag der Jugendlichen geboren.
Die Rolle der DJs – warum „Break“-Dance?
Eine zentrale Figur in der Entstehung von Breakdance ist DJ Kool Herc, ein aus Jamaika stammender DJ. Er entwickelte eine Technik, bei der er die „Breaks“ eines Songs – also die rein rhythmischen Abschnitte ohne Gesang – verlängerte, indem er zwei Plattenspieler nutzte.
Genau diese Breaks liebten die Tänzer, denn sie boten Raum für Improvisation und Energie. Die Tänzer, die besonders aktiv zu diesen Breaks tanzten, wurden B-Boys und B-Girls genannt. Daher stammt auch der Name Breakdance bzw. Breaking.
Die ersten Moves – von Tanz zu Battle
Die frühen Formen des Breakdance waren stark vom Toprock geprägt – aufrechter Tanz, inspiriert von Funk, Soul, Rock und lateinamerikanischen Tänzen. Später entwickelten sich Bodenelemente wie Footwork, Freezes und schließlich spektakuläre Power Moves.
Wichtig ist: Breakdance entstand nicht als Show, sondern als soziale Interaktion. Tänzer traten in sogenannten Battles gegeneinander an. Diese Battles ersetzten oft reale Konflikte – wer besser tanzte, gewann Respekt. Gewalt wurde durch Kreativität ersetzt.
Einflüsse aus aller Welt
Breakdance ist ein kultureller Schmelztiegel. Neben Funk- und Soulmusik flossen viele weitere Einflüsse ein:
- Capoeira aus Brasilien (akrobatische Bewegungen, Bodennähe)
- Kung-Fu- und Martial-Arts-Filme (Posen, Körperspannung, Freezes)
- Afrikanische und afrokaribische Tänze (Rhythmus, Erdung)
Diese Mischung machte Breaking einzigartig und grenzenlos – jeder konnte seinen eigenen Stil entwickeln.
Vom Straßenphänomen zur Weltkultur
In den 1980er-Jahren verbreitete sich Breakdance rasant. Filme wie Wild Style, Beat Street oder Flashdance brachten den Tanz aus der Bronx auf die große Leinwand. Musikvideos, TV-Shows und internationale Touren sorgten dafür, dass Breakdance weltweit bekannt wurde – auch in Europa, Asien und später überall auf der Welt.
Crews wie die Rock Steady Crew trugen den Tanz international weiter und legten den Grundstein für professionelle Battles und Wettbewerbe.
Breakdance heute – von der Straße zu Olympia
Heute ist Breakdance eine global anerkannte Kunstform und ein Wettkampfsport. Internationale Events wie Red Bull BC One oder die Olympischen Spiele (ab Paris 2024) zeigen, wie weit sich Breaking entwickelt hat.
Trotz Professionalisierung bleibt der Kern derselbe: Selbstausdruck, Respekt, Individualität und Gemeinschaft.
Fazit
Breakdance entstand aus Kreativität, Notwendigkeit und dem Wunsch nach Ausdruck in einer schwierigen sozialen Umgebung. Was als Tanz auf den Straßen der Bronx begann, entwickelte sich zu einer weltweiten Kulturbewegung. Die Entstehungsgeschichte von Breakdance zeigt eindrucksvoll, wie Kunst soziale Grenzen überwinden und Menschen verbinden kann.
Breaking ist nicht nur Tanz – es ist Geschichte in Bewegung.