
Der Hasapiko ist ein traditioneller griechischer Tanz mit bewegter Geschichte, kraftvollem Ausdruck und starker Gemeinschaftsbindung. Ursprünglich aus Konstantinopel stammend, hat sich der Tanz über Jahrhunderte hinweg weiterentwickelt und ist heute ein fester Bestandteil der griechischen Kultur.
Historische Wurzeln
Der Hasapiko geht auf das Mittelalter zurück und wurde ursprünglich von den Fleischern („Hasapides“) in Konstantinopel getanzt. Während der byzantinischen Zeit entwickelte sich daraus ein Zeremonial- und später ein Volkstanz. Nach der Umsiedlung vieler Griechen aus Kleinasien im frühen 20. Jahrhundert verbreitete sich der Tanz in ganz Griechenland, insbesondere in urbanen Zentren wie Piräus und Thessaloniki.
Musik und Rhythmus
Musikalisch ist der Hasapiko eng mit der griechischen Volksmusik verbunden, besonders mit dem Rebetiko. Getanzt wird er meist im 4/4-Takt, wobei es zwei Hauptvarianten gibt:
- Langsamer Hasapiko (Hasapikos Vary) – würdevoll, ruhig und kontrolliert
- Schneller Hasapiko (Hasaposerviko) – dynamisch, lebhaft und mit komplexeren Schrittfolgen
Die Musik wird traditionell von Instrumenten wie der Bouzouki begleitet, die dem Tanz seinen charakteristischen Klang verleiht.
Tanzstil und Formation
Typisch für den Hasapiko ist die Reihenformation. Die Tänzer stehen nebeneinander und halten sich an den Schultern oder Händen. Der Tanz wird vom Vortänzer angeführt, der häufig improvisiert und die Schwierigkeit der Schritte bestimmt. Die übrigen Tänzer folgen synchron.
Charakteristisch sind:
- Klare, präzise Schrittfolgen
- Kontrollierte Bewegungen mit starkem Bodenkontakt
- Wechsel zwischen ruhigen und schnellen Passagen
- Ausdruck von Stolz, Stärke und Zusammenhalt
Gemeinschaft und Ausdruck
Der Hasapiko ist mehr als nur ein Tanz – er ist Ausdruck von Gemeinschaft und Identität. Durch die enge Verbindung der Tänzer entsteht ein starkes Wir-Gefühl. Gleichzeitig bietet er Raum für individuelle Interpretation, besonders durch den Vortänzer.
Internationale Bekanntheit
Weltweit bekannt wurde der Hasapiko unter anderem durch den Film Alexis Sorbas mit Anthony Quinn. Der dort gezeigte Tanz – oft fälschlich als „Sirtaki“ bezeichnet – basiert auf Elementen des Hasapiko und machte die griechische Tanzkultur international populär.
Du lernst
Der Hasapiko vereint Geschichte, Rhythmus und Gemeinschaft in einem ausdrucksstarken Tanz. Seine Mischung aus Disziplin und Leidenschaft macht ihn bis heute zu einem lebendigen Bestandteil griechischer Feste und Feierlichkeiten – sowohl in Griechenland als auch in der griechischen Diaspora weltweit.
Hasapiko lernen – Schritt für Schritt zum griechischen Tanzgefühl
Der Hasapiko ist einer der bekanntesten traditionellen Tänze Griechenlands. Kraftvoll, rhythmisch und gemeinschaftlich – genau das macht ihn so beliebt. Doch wie lernt man diesen besonderen Tanz? Mit etwas Rhythmusgefühl, Übung und Freude an Bewegung gelingt der Einstieg schneller, als viele denken.
1. Den Rhythmus verstehen
Bevor du mit den Schritten beginnst, solltest du dich mit der Musik vertraut machen. Der Hasapiko wird meist im 4/4-Takt getanzt. Höre dir typische griechische Musikstücke an und versuche, den Grundrhythmus mitzuzählen:
1 – 2 – 3 – 4
Es gibt zwei Varianten:
- Langsamer Hasapiko – ideal für Anfänger
- Schneller Hasapiko (Hasaposerviko) – dynamischer und anspruchsvoller
Beginne am besten mit der langsamen Version, um ein Gefühl für die Bewegungen zu entwickeln.
2. Die Grundhaltung einnehmen
Der Hasapiko wird traditionell in einer Reihe getanzt. Die Tänzer stehen nebeneinander und legen die Arme auf die Schultern ihrer Nachbarn.
Wichtig dabei:
- Aufrechte Haltung
- Entspannte Schultern
- Leicht gebeugte Knie für bessere Beweglichkeit
Auch allein kannst du die Schritte üben – die Armhaltung simuliert später nur das Gruppengefühl.
3. Die Grundschritte lernen
Beim langsamen Hasapiko bestehen die ersten Schritte meist aus:
- Schritt nach rechts
- Linken Fuß heranziehen
- Schritt nach rechts
- Linken Fuß kreuzen oder tippen
- Richtungswechsel
Die Bewegungen sind kontrolliert und bodennah. Es geht weniger um große Sprünge, sondern um präzise, klare Schrittfolgen.
Tipp: Übe zunächst ohne Musik. Sobald die Abfolge sicher sitzt, füge Musik hinzu.
4. Auf den Vortänzer achten
In der Gruppe führt traditionell der erste Tänzer die Reihe an. Er bestimmt Tempo, Variationen und mögliche Figuren. Beim Lernen bedeutet das:
- Genau beobachten
- Bewegungen synchron nachtanzen
- Nicht voraus-, sondern mitdenken
Der Hasapiko lebt vom gemeinsamen Rhythmus.
5. Regelmäßig üben
Wie bei jedem Tanz gilt: Übung macht den Meister. Schon 10–15 Minuten regelmäßiges Training helfen, die Bewegungen zu verinnerlichen.
Hilfreich sind:
- Tanzkurse (z. B. in griechischen Kulturvereinen)
- Online-Tutorials
- Gemeinsames Üben mit Freunden
6. Gefühl und Ausdruck entwickeln
Sobald die Schritte sicher sitzen, geht es um das Wesentliche: Ausdruck und Haltung. Der Hasapiko steht für Stärke, Stolz und Zusammenhalt. Die Bewegungen sollen ruhig, selbstbewusst und kraftvoll wirken.
Du lernst
Den Hasapiko zu lernen bedeutet nicht nur, Schritte zu üben – es heißt, in die griechische Kultur einzutauchen. Mit Geduld, Rhythmusgefühl und Freude an der Gemeinschaft wirst du schnell Fortschritte machen. Und vielleicht tanzt du schon bald bei einem Fest selbstbewusst in der ersten Reihe.
Hasapiko – Entstehungsgeschichte eines traditionsreichen Tanzes
Der Hasapiko gehört zu den ältesten überlieferten Volkstänzen Griechenlands. Seine Geschichte reicht mehrere Jahrhunderte zurück und ist eng mit der kulturellen Entwicklung des östlichen Mittelmeerraums verbunden. Ursprünglich in Konstantinopel entstanden, erzählt der Tanz von Handwerk, Gemeinschaft und Identität.
Ursprung im Mittelalter
Der Name „Hasapiko“ leitet sich vom türkischen Wort kasap (Fleischer) ab. Im mittelalterlichen Konstantinopel – dem heutigen Istanbul – war der Tanz ein Zunfttanz der griechischen Fleischer. Diese organisierten sich in Bruderschaften und pflegten eigene Traditionen, zu denen auch gemeinschaftliche Tänze gehörten.
Historiker vermuten, dass der Tanz bereits in byzantinischer Zeit existierte. In der Epoche des Byzantinisches Reich entwickelte sich aus einem möglicherweise militärisch geprägten Schwerttanz eine zeremonielle Tanzform. Einige Quellen sprechen sogar vom „Makellarikos“-Tanz, einer frühen Variante, die von bewaffneten Stadtwachen getanzt worden sein soll.
Entwicklung während der osmanischen Zeit
Nach dem Fall Konstantinopels 1453 blieb der Tanz in den griechischen Gemeinden lebendig. Während der osmanischen Herrschaft wurde er weiter gepflegt und entwickelte sich vom Zunfttanz zu einem populären Gesellschaftstanz.
Im Laufe der Zeit entstanden zwei Hauptformen:
- Langsamer Hasapiko (Hasapikos Vary) – würdevoll und getragen
- Schneller Hasapiko (Hasaposerviko) – lebhafter, mit Einflüssen vom Balkan
Der schnellere Stil wurde besonders durch Kontakte zu südosteuropäischen Regionen geprägt.
Verbreitung in Griechenland
Ein entscheidender Wendepunkt war der Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei im Jahr 1923. Viele Griechen aus Kleinasien siedelten sich in Hafenstädten wie Piräus an und brachten ihre Musik- und Tanztraditionen mit.
In dieser Zeit entwickelte sich auch die Musikrichtung Rebetiko, die eng mit dem Hasapiko verbunden ist. Besonders das Instrument Bouzouki prägte den Klang des Tanzes nachhaltig.
Internationale Bekanntheit
Weltweit bekannt wurde der Hasapiko in vereinfachter Form durch den Film Alexis Sorbas. Die dort gezeigte Choreografie, oft als „Sirtaki“ bezeichnet, basiert auf Elementen des Hasapiko und machte griechische Tänze international populär.
Du lernst
Die Entstehungsgeschichte des Hasapiko ist ein Spiegel griechischer Geschichte: von byzantinischen Wurzeln über osmanische Einflüsse bis hin zur modernen griechischen Identität. Was einst ein Zunfttanz war, ist heute ein lebendiger Ausdruck von Gemeinschaft, Stolz und kulturellem Erbe.
Hasapiko – Die Grundschritte einfach erklärt
Der Hasapiko ist ein traditionsreicher griechischer Tanz, der durch klare Bewegungen, starken Rhythmus und gemeinschaftliches Tanzen geprägt ist. Wer die Grundschritte beherrscht, legt den perfekten Grundstein für spätere Variationen und schnellere Figuren.
Die richtige Ausgangsposition
Bevor es losgeht, ist die Körperhaltung entscheidend:
- Aufrecht stehen
- Schultern locker
- Knie leicht gebeugt
- Gewicht gleichmäßig verteilt
In der Gruppe stehen die Tänzer nebeneinander und legen die Arme auf die Schultern ihrer Nachbarn. Beim Üben allein kannst du die Arme locker seitlich halten.
Grundschritte im langsamen Hasapiko (4/4-Takt)
Der langsame Hasapiko ist ideal für Anfänger. Die Bewegungen sind ruhig, kontrolliert und bodennah. Ein typisches Grundmuster besteht aus acht Zählzeiten.
Schrittfolge (Beispiel-Grundfigur)
Zählweise: 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8
- Schritt mit dem rechten Fuß nach rechts
- Linken Fuß heranziehen
- Schritt mit dem rechten Fuß nach rechts
- Linken Fuß vor dem rechten kreuzen
- Schritt mit dem rechten Fuß nach rechts
- Linken Fuß leicht anheben oder auftippen
- Schritt mit dem linken Fuß nach links
- Rechten Fuß heranziehen
Die Schritte bleiben fließend und nah am Boden. Wichtig ist weniger die Größe der Bewegung, sondern die Präzision.
Typische Merkmale der Grundschritte
- Klare Gewichtsverlagerung
- Ruhige, kontrollierte Bewegungen
- Synchronität in der Gruppe
- Betonung auf dem ersten Schlag des Taktes
Der Hasapiko wirkt kraftvoll, aber nicht hektisch.
Übergang zum schnellen Hasapiko (Hasaposerviko)
Sobald die Grundschritte sicher sitzen, kann man zum schnelleren Stil wechseln. Hier werden die Bewegungen dynamischer und es kommen zusätzliche Drehungen oder kleine Sprungbewegungen hinzu.
Das Tempo steigt, doch die Struktur bleibt rhythmisch klar. Wer den langsamen Stil beherrscht, wird sich im schnellen deutlich leichter zurechtfinden.
Praktische Tipps zum Üben
- Zuerst ohne Musik üben
- Langsam zählen und die Schritte bewusst setzen
- Danach mit traditioneller griechischer Musik im 4/4-Takt tanzen
- Regelmäßig wiederholen, um Sicherheit zu gewinnen
Du lernst
Die Grundschritte des Hasapiko sind überschaubar, aber wirkungsvoll. Mit einer stabilen Haltung, sauberer Technik und etwas Übung entsteht schnell das typische Gefühl dieses traditionellen Tanzes. Wer die Basis beherrscht, kann später komplexere Figuren und schnellere Variationen problemlos erlernen – und den Hasapiko mit Ausdruck und Selbstbewusstsein tanzen.
Hasapiko vs. Sirtaki – Wo liegt der Unterschied?
Hasapiko und Sirtaki werden häufig miteinander verwechselt. Kein Wunder: Beide Tänze wirken ähnlich, werden in Reihenformation getanzt und stehen für griechisches Lebensgefühl. Doch historisch und stilistisch gibt es klare Unterschiede.
1. Die Herkunft
Hasapiko
Der Hasapiko ist ein traditioneller Volkstanz mit Wurzeln im mittelalterlichen Konstantinopel (heute Istanbul). Ursprünglich war er ein Zunfttanz der Fleischer und entwickelte sich über Jahrhunderte zu einem festen Bestandteil der griechischen Tanzkultur.
Sirtaki
Der Sirtaki hingegen ist kein historischer Volkstanz. Er wurde 1964 eigens für den Film Alexis Sorbas choreografiert. Die Musik dazu komponierte Mikis Theodorakis. Der Tanz basiert auf Elementen des Hasapiko, wurde jedoch vereinfacht und dramatisch aufgebaut.
Kurz gesagt: Hasapiko ist traditionell – Sirtaki ist eine moderne Inszenierung.
2. Aufbau und Tempo
Hasapiko
- Wird im 4/4-Takt getanzt
- Zwei Hauptformen: langsam und schnell (Hasaposerviko)
- Gleichmäßiger Rhythmus
- Klare, strukturierte Schrittfolgen
Sirtaki
- Beginnt langsam
- Steigert sich kontinuierlich im Tempo
- Endet meist sehr schnell und dynamisch
- Dramatischer Spannungsaufbau
Der typische Tempowechsel macht den Sirtaki besonders publikumswirksam.
3. Technik und Schwierigkeit
Der Hasapiko erfordert:
- Präzise Schritte
- Gute Körperkontrolle
- Synchronität in der Gruppe
Der Sirtaki ist:
- Technisch einfacher
- Für Anfänger leichter zugänglich
- Mehr auf Wirkung als auf traditionelle Schrittvielfalt ausgelegt
4. Kulturelle Bedeutung
Der Hasapiko ist tief in der griechischen Geschichte verwurzelt und wird bei traditionellen Festen, Hochzeiten und kulturellen Veranstaltungen getanzt.
Der Sirtaki hingegen wurde durch den Film international bekannt und gilt heute weltweit als „der“ griechische Tanz – auch wenn er ursprünglich eine Filmchoreografie ist.
Du lernst
Obwohl der Sirtaki auf dem Hasapiko basiert, sind die Unterschiede deutlich:
- Hasapiko = historischer Volkstanz mit festen Strukturen
- Sirtaki = moderne Filmchoreografie mit dramatischer Temposteigerung
Beide Tänze vermitteln Gemeinschaft und Lebensfreude – doch wer sich für die Tradition interessiert, sollte den ursprünglichen Hasapiko kennenlernen.